Lust auf Geschichten? Here we go:

Cabo Sao Vicente
oder Salz auf meiner Haut

Ich habe den südwestlichsten Punkt Europas erreicht. Stehst du am Kap, hast Du links von Dir die Algarve, rechts erstreckt sich der unendliche Atlantik. Da liegt eine Menge Salz in der Luft, das sich auf deiner Haut absetzt. 

Nach dem Besuch am Cabo Sao Vicente, dem Essen einer letzten Bratwurst vor Amerika und einem Abstecher an den Strand von Beliche, geht es ab morgen immer Richtung Norden am Atlantik entlang.

Ventonorte 
Caravan Park 
Vila do Bispo

Rückzug

Ich bin randvoll mit vielen tollen Eindrücken und habe das Gefühl, ich muss das erstmal verarbeiten. Ich ziehe mich für eine Woche auf einen schlichten Stellplatz in Vila do Bispo zurück, arbeite an meiner Homepage und versuche runterzukommen.

4. - 11.
Mai 2022

Turiscampo  Camping Club Algarve

3. April bis 4. Mai

Der Campingplatz übertrifft meine Erwartungen. Ich habe einen schönen Stellplatz mit Wasser und Strom. Die Sanitäranlagen sind blitzsauber, es gibt sogar einen Hundeduschbereich. Das Personal ist superfreundlich und der Poolbereich toll, hier ist die Hauptattraktion eine Entenfamilie mit 12 winzigen Küken. An kälteren Tagen schwimmen sie im Außenpool.

 Gleich am nächsten Tag gehe ich ins Hallenbad zum AquaGym. 1 Stunde Gymnastik im warmen Wasser angeleitet durch Louis, dem attraktiven Animateur. Was will Frau mehr vom Leben? Danach fühle ich mich wie neugeboren. Gehe da jetzt jeden Tag hin.

Dort lerne ich Verena kennen, wir verstehen uns auf Anhieb und planen gemeinsame Aktivitäten. Eine Bootstour zum Algar de Benagil, eine Radtour nach Lagos zu Mister Manuel, dem Radreparateur oder an den Strand von Praia da Luz. Abends treffen wir uns zu Piña Colada und Sangria an der Bar oder einer der Tanz- und Musikshows an der Bühne. Schnell schließt sich auch Verena’s Ehemann Heinz an und mit Johanneke, die sich in ein Ferienhäuschen eingemietet hat, ist unserer Vierertruppe komplett. Alle 3 kommen übrigens aus der Schweiz. 

Krümel lebt hier auf. Er diktiert mir seine Routine. Morgens Gassi und fressen, schlafen, mittags Gassi, fressen und schlafen. Gegen Abend wird der kleine Kerl munter, denn dann ist Abfallrundenzeit mit Freundin Verena. Mein alter, lahmer Hund kann plötzlich rennen, ja er zieht mich förmlich zu Verena. Gemeinsam gehen wir zur Müllentsorgungsstation am Platzeingang. Immerhin lässt er mich danach zu meiner eigenen Routine gehen – zu den Anderen in die Bar.

Die Zeit fliegt und schon sind die gebuchten 2 Wochen rum. Ich will hier noch nicht weg und verlängere. Ich muss den Platz wechseln, da meiner schon für andere Camper reserviert ist. Ich suche mir ein schattiges nettes Plätzchen aus, allerdings heißt das für mich, das Zelt ab-, und auf dem neuen Platz wieder aufbauen. Ich nutze die zeltfreie Gelegenheit und fahre mit Verena zum Großeinkauf nach Portimao. 

Auch Verena und Heinz verlängern ihren Aufenthalt – wie schön, weitere 2 Wochen gemeinsame Zeit. 

Einen Tag vor meinem 67. Geburtstag steht morgens Animateur Louis mit einer Flasche Wein und einer Geburtstagskarte vor meiner Tür. Die Weinflasche köpfe ich mit meinen neuen Freunden, am nächsten Tag, bevor es zum Essen ins Restaurant geht. 

Doch bald sind diese 2 Wochen auch wieder vorbei und es  heißt endgültig Abschied  nehmen.  Krümel trifft dieser Abschied besonders hart. Noch Tage nachdem wir weitergezogen sind wird er zu einer gewissen Zeit am Abend unruhig und besteht  auf seiner Abfallrunde. Wie soll ich dem kleinen Kerl klarmachen, dass das jetzt unmöglich ist?

 

Ganz besonders  für mich war, nach dieser langen Masken- und Distanzzeit, dass fast völlig fremde Menschen auf mich zukamen, um mich zu umarmen. So zum Beispiel ein Schwede, mit dem ich mich nur ganz kurz unterhalten hatte. Zum Abschied kam er auf meinen Platz und umarmte mich. Ach tat das gut! Ich erzählte Verena und Johanneke von dem Erlebnis und fortan umarmten auch wir uns am Abend zum Abschied nach den Barbesuchen. Diese warmherzigen Momente werde ich in Verbindung mit Portugal immer in Erinnerung behalten.

Camperpark Playas De Luz

Isla Christina, Huelva    1. -3. April 

Preiswert und gut, dachte ich. Doch ich stelle fest, doch nicht so gut. Preiswert ist relativ. Wenn du für die Dusche 1 Euro zahlst, für 5 Minuten, davon aber nur eine halbe Minute nutzen kannst weil sich heiß und kalt nicht richtig einstellen lassen, weil du dich in der Dusche nicht mal umdrehen kannst. Pool kostet extra, Wasser aber eiskalt, gut so – keine Lust zum schwimmen. Strom extra, alles extra. Der Platz nervt, aber Nachbar Gerd ist nett, wir plaudern die halbe Nacht. Bevor ich am nächsten Tag abfahre schenkt er mir was für Krümel. Was? Nö, verrate ich lieber nicht. 

Hab viele Fotos und Videos und vor allem Reiseberichte nachzuholen, war zu beschäftigt um was zu machen. Buche mir in Portugal einen Luxus Campingplatz, um endlich schreiben zu können. 2 Wochen mit Pool, Aqua-Fit und Abendprogramm. Freu mich drauf.

An der Grenze zu Portugal werde ich rausgewunken. Denke mit Schrecken an Krümels Canabistropfen. Was wenn die das erlaubte Limit überschreiten? Ich seh mich schon hinter Gittern.

Doch dann kommt eine nette Spanierin auf mich zu, sie will eine Touristenumfrage machen. In supereinfachem Spanisch können wir uns verständigen, dann wünscht sie mir eine ‚buena viaje‘. Puh und ich atme auf.

30. März  Gibraltar

Am nächsten Tag waren die Voraussetzungen ideal. Bewölkter Himmel, nicht zu warm, ich konnte Krümel guten Gewissens im Auto in der Marina lassen. Rüberfahren wollte ich nicht, enge Gassen, keine Chance einen Parkplatz zu ergattern. 

An der Grenze gabs Probleme mit einem spanischen Grenzbeamten. Ich wusste, dass man auf Gibraltar keine Masken braucht, also hab ich keine mitgenommen. Doch der Grenzer wollte mich nicht zur Passkontrolle lassen ohne Maske. Ich sollte bitte den weiten Weg in die Stadt machen um mir eine Maske zu kaufen. Ich war sauer, aber was nützt es. Als ich aus dem Kontrollhäuschen rausgehe sehe ich zwei britische Grenzbeamte, treudoof frage ich sie, wo ich denn eine Maske kaufen könne. Sie weisen mir einen passfreien Weg um das Kontrollhäuschen herum, ich reise also illegal aus Spanien aus. Die Engländer hat es wohl gefreut, denn die mögen die Spanier nicht so besonders. In das britische Häuschen durfte ich ohne Maske rein. In Gibraltar kaufe ich mir sicherheitshalber in einer Drogerie eine Maske, für den Rückweg.

Ich buche eine Sammeltaxitour auf den Felsen. Brian ist der Chauffeur, zwei Paare aus Spanien und Schweden sind mit dabei. Wir besuchen die Affen, die St. Michaels Tropfsteinhöhlen, die Verteidigungsanlagen – Tunnel die durch den Felsen gegraben wurden- und werfen von oben einen Blick auf Afrika. Nach einer rasanten Schussfahrt runter in die Stadt setzt uns Brian in der Einkaufszone ab. Für mich genau die Richtige Adresse, denn jetzt geht’s auf zum zollfreien Einkaufsbummel und die typisch britischen Fish und Chips gibt’s am Ende auch. Das Spannendste aber ist bei Grenzübertritt nach Gibraltar immer die Rollfeldüberquerung des Flughafens von Gibraltar, denn das Rollfeld ist gleichzeitig die Grenze. Überall weisen Schilder darauf hin, dass man doch bitte zügig laufen und nicht stehen bleiben soll, denn jeden Moment könnten sich die Schranken schließen und ein Flugzeug landen.

Tunnelblick

29. März  La Linea Marina 

Die Fahrt von Malaga nach La Linea auf der AP 7 ist tunnelig. Immer wieder Licht an und runterschalten. Traumhaft am Yachthafen von La Linea entlangzufahren. Ich erwische einen guten Stellplatz an der Marina und mache gleich einen Spaziergang Richtung Grenze zu Gibraltar. Doch der Weg war länger als gedacht, ca. 1 KM und Krümel drohte schlappzumachen. Also schaute ich nur mal kurz in England vorbei und musste dann umkehren.

Später am Abend treffe ich Verena und Uwa in der Marina, wir haben den gleichen Weg. Das passiert des Öfteren, dass man unterwegs ‚alte Bekannte‘ trifft. 

26. bis 28. März

Rincon La Victoria  - Malaga

Die Camper Area ‘El Rincon’ ist preiswert und schwer zu erreichen. Bei der Anfahrt muss ich über einen unbefestigten Weg, eine Arte Flussbett, fahren und fluche: Verdammt ich hab doch keinen Vierradantrieb.  Die Stellplätze sind eng, ich komm nicht beim ersten Mal perfekt rein und schon stehen ein paar Machos rum: ‚Frauen und Autos‘. Einer kommt zu mir: ‚Meine Frau ist LKW-Fahrerin die parkt Dir den ein‘. Na von mir aus.

Ich bleibe 2 Tage, mache eine Radtour nach Rincon und fahre mit dem Bus nach Malaga. Krümel lasse ich im Auto weil das Wetter es erlaubt, es wird nicht zu heiß.

Mache einen Rundgang im Hafen von Malaga und durch die Shoppingmeile. Hier ist alles megatouristische, gefällt mir nicht, hab keine Lust was zu kaufen.

Camping und Bungalows Bellavista

Nach einer Nacht auf dem Camping- und Bungalowplatz Bellavista in Águilas, Murcia, Spanien mit herrlichem Meerblick und einem netten LKW-Fahrer, der mir beim ausparken hilft geht es weiter.

Das nächste Ziel, der von HACO bekannte Platz 

Camping Mar Azul 

Balerma - Balanegra - Provinz Almeria

Bei El Ejido

März 2022

Nein, 

vorab gebucht habe ich nicht und bekomme keinen Platz. Es ist Samstag und viel los. Der Platzwirt bietet mir einen Stellplatz ohne Strom an. Sollte gehen, habe ja Solar auf dem Dach. Es stehen noch mehrere Wohnmobile in der Warteschleife und ich habe einen netten Nachbarn, einen Lehrer für Musik und Kunst. Wir unterhalten uns angeregt, er überlegt auch, ganz in sein Wohnmobil zu ziehen.

Am nächsten Tag kann ich in meinem offiziellen Stellplatz mit Strom einziehen. Vorher putze ich noch mein Auto, hatte in der Nacht Sahara-Sand geregnet. Hab nette Nachbarn, ein Paar kommt aus dem Osten – ich glaube Leipzig – sie sind mit einem riesigen Wohnmobil, einem sogenannten Dickschiff da, Camping der Luxusvariante. 

Kaum ist mein Auto sauber, stürmt und regnet es wieder. Habe Glück, dass ich mein Auto nicht ausbuddeln muss, die Farbe hat es jedenfalls geändert – von weiß nach sahara-rot. So schlimm, dass alle Camper den Wasserschlauch rausholen und ihr Mobil reinigen. Mir hilft Nachbar Uwe, er klettert mir aufs Dach und macht von oben sauber. Zum Dank lade ich Ihn und seine Frau Verena zum Bier in die Bar ein. 

Bei Abfahrt erfahre ich, dass HACO am Vortag auf dem Platz war – Mist und ich habs mal wieder nicht mitgekriegt. 

Camping La Marina

San Fulgencio - Provinz Alicante
März 2022

Hab Urlaub vom Urlaub gebucht. 2 Wochen 5 Sterne mit IndoorPool und Spa. Der Campingplatz ist wie erwartet und dem hohen Preis entsprechend = gut. Eine tolle Anlage mit kurzen Wegen zu Toiletten, Duschen, Spülbereichen und Waschmaschinen.

 

 

 

Im Spa 

herrscht ein strenger Bademeister = Kappe, Mundlappen, Badeschlappen und wehe du vergisst was. Ich nutze Pool und SPA jeden Tag. Aber es kostet extra. 8 Euro pro Eintritt, ganz schön happig. Ich ergattere eine Monatskarte für 35 Euro, immerhin.

Im Zitronenbad

 lerne ich Ute kennen. Sie hat sich in der ‚Urbanization‘ ein Reihenhäuschen gekauft und kann mit ihrer Monatskarte das SPA nutzen. Ute fühlt sich in ihrem Haus etwas isoliert. Wir unternehmen viel gemeinsam – zum Chinesen essen gehen, schwimmen und SPA-en natürlich und mit den Hunden am Strand gassigehen.  Wir werden Freunde und nehmen uns vor, weiterhin Kontakt zu halten. 

Canabis für Krümel

Krümel macht mir Sorgen, er schlappt nur noch lahm hinter mir her, so richtig gassigehen will er nicht mehr. Schläft den ganzen Tag im Auto. Essen, kurz raus und schlafen. Ich treffe einen Campnachbarn mit Hund – Paulchen ist auch 15 Jahre und topfit. Nachbar erzählt mir, dass das nicht immer so war, erst als er mit ihm beim Tierarzt war und er Herztabletten, Vitamin B Komplex und Canabistropfen bekommen hat, geht’s Paulchen besser. Das will ich auch, Nachbar ist so lieb und fährt mir Krümel und mir zum gleichen Tierarzt. Der untersucht Krümel und siehe da, mein Hund bekommt dieselbe Therapie. Nun, ein Versuch ist es wert. Schon nach ein paar Tagen werden Krümels Gassirunden länger, er fühlt sich merklich wohler.  Bevor ich weiterfahre, kreuze ich nochmal beim Tierarzt auf und hole mir Riesenvorrat von den Wundermitteln.

Meine Ausfahrt von Camping Bravo Playa war berührend, am Wegesrand standen Camper, die mir zum Abschied winkten.

Wenn mein Jumpy schon von der Leine (vom Zelt) ist, muss das genutzt werden – ich mache Großeinkauf in Castellon de La Plana . Im Tierhandel – Krümel braucht Hundefutter. Im Aldi – es könnten ja auf der Strecke keine Läden mehr kommen. Mein Auto mutiert zum Tierfutter- und Lebensmitteltransporter.

Javea -Xàbia 
Provinz Alicante 

Google Maps leitet mich vor Javea durch ein kleines Dort mit engen Straßen und eine Schlucht – gottseidank fahre ich auf der Bergseite, die entgegenkommenden Fahrzeuge müssen nahe am Abgrund jonglieren. Zurück fahre ich da nicht, dann wär ich mit dem Abgrund dran. Bei Abfahrt vom Campingplatz frage ich den Empfangsmenschen nach einem besseren Weg. Er meint: ‚Fahr doch einfach die Hauptstraße lang‘.  Von jetzt an schau ich genau, wo Google Maps mich langführt.

Der Campingplatz ist nett, der Pool noch geschlossen, ich wandele mit Krümel durch die Orangenhaine. Vor der Abfahrt muss ich Jumpy putzen denn direkt über mir in den Bäumen hausten die Tauben und kackten Jumpy von oben bis unten voll – eine Riesensauerei. Die Lappen konnte ich nachher wegschmeißen.

1. März

Rails to Trails Strecke nach Benicassim

 

Tourguide Günther

 

 

Hafen von Oropesa unterhalb der Rails to Trails Strecke nach Benicassim

Allein - Alleinfahrer - Sterne 

 bis 28. Februar  22

 

28. Februar 22

Abschied von Bravoplaya

Wo ist die Zeit geblieben? Hier in Spanien rast sie unaufhörlich. Jetzt bin ich schon seit 2 Monaten hier, hab tolle Menschen kennengelernt und tolle Erlebnisse gehabt. Aber wenn es am schönsten ist, sollte man gehen und die guten Erinnerungen mitnehmen.

Ich freue mich auf die Weiterfahrt. Mein Jumpy war jetzt 2 Monate am Vorzelt angebunden, ich hoffe er (oder die Batterie) lebt noch.

Der Abschied fällt mir schwer.  Viele die mich kennen kommen vorbei, wünschen mir gute Fahrt. In Günther habe ich einen Freund gefunden – am liebsten würde ich ihn mitnehmen – ich werde ihn vermissen.

Kurz vor der Abfahrt kommt ein junger Mann vorbei und stellt die Frage, die ich schon oft gehört habe: Ihr Kennzeichen BÜD – wo kommen Sie her? Keiner kennt BÜD, ich erkläre es wie Bürgermeister Erich Spamer: das schönste mittelalterliche Städtchens von Deutschland, Europa, der Welt J in der Nähe von Frankfurt. Doch dieser junge Mann wollte das gar nicht wissen, er war neugierig wo aus Büdingen ich herkomme, denn er lebt selbst in Büdingen. Ja, die Welt ist doch ein Dorf. 2 Monate lang habe ich auf dem riesigen Campingplatz mit rund 600 Stellplätzen noch dem BÜD-Kennzeichen Ausschau gehalten und nur FB, HU oder GN gefunden. Na also, die Büdinger sind ja doch unterwegs.

Alleinfahrerinnen - Solistensterne

Durch Günther erfahre ich, dass sich die Solistensterne jeden Mittwoch am Strand treffen. Bei meiner ersten Teilnahme staune ich, insgesamt 15 Sterne sitzen auf ihren mitgebrachten Klapphockern und trinken ihr mitgebrachtes Limo, Bier oder Wasser. Ich gebe mich als Neuling, nicht nur als Solistenstern sondern auch als Wohnmobilfahrerin zu erkennen. Schnell komme ich mit ein paar allein reisenden Frauen in Kontakt. Alles Rentner oder Frührentner, nur eine wenige sind überzeugte Alleinfahrerinnen. Die Einen haben sich mit anderen zusammengetan und reisen jetzt gemeinsam. Es gibt aber auch jene, die früher immer mit Kind und Kegel und später nur noch mit Kegel unterwegs waren. Seit die Ehemänner verstorben sind, reisen sie jetzt unfreiwillig allein. Probleme haben die meisten in meinem Alter oder noch älter mit den Fremdsprachen. So gibt es welche, die fahren immer wieder zu dem einen Campingplatz in Spanien, überwintern dort und fahren im Frühling wieder nach Hause. Wobei die Reise durch Frankreich und Spanien zur kleinen Tortur wird, weil sie sich kaum oder gar nicht verständigen können. Da hab ich es leichter, denn hier in Spanien sowieso aber auch in Frankreich hilft mir mein Englisch immer weiter. 

Doch nicht so alleine – Alleinfahrer und Sterne

Rechts und links von mir fahren zwei Kastenwagen auf die Parzellen. Es sind zwei Alleinfahrer – aus Datenschutzgründen nenne ich sie mal Christa und Peter. Sie erzählen mir von den Wohnmobil-Solisten-Sternen – einer Internetplattform, auf der Alleinfahrer ihre Erfahrungen austauschen, sich manchmal treffen oder zur gemeinsamen Fahrt verabreden. Ich melde mich auf der Plattform an und schon werde ich von einer Solistin kontaktiert, die gerade auf Bravoplaya überwintert. Wir treffen uns und sie stellt den Kontakt zu Günther her, der zweimal in der Woche Radtouren organisiert. Schon bei der Dienstags-Radtour zum Markt nach Torreblanca bin ich dabei. Mit meinem E-Bike sind die 30 Kilometer kein Problem. Auf dem Markt kaufen wir gegrillte Hähnchen und fahren zum Strand nach Torrenostra. Eine Parkbank ist unser Esszimmer, das Meer, der Strand und die Sonne unsere Aussicht – mir geht das Herz auf. 

Auch bei der nächsten Donnerstagstour bin ich dabei, sie geht nach Benicassim. Eine herrliche Strecke auf einer konvertierten Bahntrasse und immer am Meer entlang. Zur Beschreibung fehlen mir die Worte – schaut Euch doch die Fotos an. 

Günther ist ein toller Tourguide, es macht Spaß mit ihm die Umgebung zu erkunden. Ich bin fast jeden Dienstag und Donnerstag dabei und wir werden schnell zu Freunden, werde ihn sicherlich vermissen, wenn ich wieder On-Tour bin. Bei einer der Touren zeigt mir Günther seine genialen Klappedalen am Fahrrad die beim Verstauen im Laderaum meines Busses viel Platz sparen könnten. Ich werde neidische und sage Günther: „Solche Pedale will ich auch“. Er lacht mich aus: „Du hast doch die gleichen Pedale wie ich“. Jo, so lernt man sein neues Fahrrad kennen.

 

Du fährst alleine? – Du bist aber mutig!

Diesen Satz höre ich nur zu oft. So wirklich mutig komme ich mir gar nicht vor.  Ich fahr vorsichtig, ich überlege mir genau, wo ich übernachte, meinen Jumpy lass ich nicht aus den Augen, wenn ich nicht gerade auf einem Campingplatz stehe.  Was die Leute meinen ist: „Du fährst alleine als Frau?“  Jo, wenn ich halt keinen habe der mitkommt versaure ich doch nicht alleine zuhause. Lieber alleine unterwegs als zuhause, oder?

Zugegeben, manchmal fühl ich mich etwas einsam, aber ich treffe unterwegs soviele Menschen, dass dieses Gefühl nur selten aufkommt. Außerdem habe ich ja meinen felligen Seelenpartner an meiner Seite – Krümel – der sorgt immer irgendwie für Unterhaltung. 

 

Mitesser

 

Hunderkorb

Camperleben, Mitesser, Nachbarn

Langsam stellt sich eine Routine ein. Vom Aufstehen am Morgen bis zum Insbettgehen am Abend bin ich mit kleinen Aufgaben beschäftigt. Gassigehen, frühstücken, aufräumen, lüften, Essenkochen etc.  Die Zeit rast, ja manchmal habe ich das Gefühl aus der Zeit zu fallen: Welches Datum haben wir heute, ist Montag oder Dienstag?

Auf der Nachbarparzelle zieht ein Paar ein. Wir kommen ins Gespräch und sie erzählen mir, dass sie gerade aus dem Süden kommen, wo ich ja in ein paar Tagen hin will. Ich habe gehört,  dort soll es  ziemlich voll  sein auf den Camping- und Stellplätzen, weil zur Zeit die Fährverbindung nach Marokko auf der Straße von Gibraltar wegen Corona gesperrt ist und sich ein Stau von Campern bildet, die sonst nach Marokko weitergefahren wären. Das Paar bestätigt das und ich beschließe, meinen Aufenthalt hier bis zum 28. Februar zu verlängern, hoffe, dass sich die Lage im Süden bis dahin klärt.

Mitesser (Spatzen)

Zur Routine geworden ist auch, dass ich wie alle anderen morgens erstmal zum Coalimente (Supermarkt vor dem Campingplatz) marschiere, denn dort gibt’s una  baguette caliente (heißes Baguette frisch aus dem Ofen). Die Krümel vom Frühstück muss sich Krümelhund jetzt mit einigen Spatzen teilen, die schon im Vorzelt direkt neben Krümel sitzen und auf die Krümel lauern. Aber die Spatzen bringen auch Geschenke für Krümel mit. Sie klauen das Trockenfutter aus den Futternäpfen der Nachbarshunde , doch die Bröckchen sind wohl zu groß, die lassen sie vor Krümel fallen bevor sie sich auf unsere Brotkrümel stürzen. Manchmal knallt es auf dem Dach meines Kastenwagens, als ich nachsehe finde ich Hundefutter, das die Spatzen beim Überflug einfach fallen lassen.

Nachbarn

Es sind viele viele Rentner auf dem Platz, ein bunt gemischter Haufen. Leider auch ein paar Leute, die ihre Blockwartqualität zum Vorschein bringen – sie passen genau auf, ob du deine Maske auch auf dem Klo anhast. Auch mit Krümel hats schon Ärger gegeben, hat der sich doch tatsächlich gewagt, an die Büsche am Wegesrand zu pinkeln. Mein Stellplatz ist so ziemlich am hinteren Ende, da schafft Krümel  es nicht bis zum Ausgang. Viele Hundebesitzer umgehen den Ärger, indem sie ihre Hunde in einen Fahrradanhänger oder –Korb setzen und nach draußen fahren. Jo, also hab ich doch noch mal einen Hundekorb für Krümel bei Amazon bestellt und an die Rezeption schicken lassen, ging problemlos. Probleme hatte ich am Anfang, Krümel da reinzusetzen. Der fing an zu zittern. Jetzt freut er sich schon auf unsere morgendliche Ausfahrt, kanns kaum abwarten, denn im Korb warten Leckerlies auf ihn. Von zittern keine Spur mehr.

 

1. bis 16. Januar 22

Runter vom Stress, ausruhen und Jumpy neu organisieren

Hab vor lauter abarbeiten meiner Aufgaben gar nicht gemerkt, wie müde und fertig ich bin. Jetzt macht sich der ganze Stress erst richtig bemerkbar.  

Ich komme nicht zur Ruhe, laufe wie automatisch weiter im Hamsterrad. Hier den Schrank neu organisieren, das Hundegitter über dem Bett montieren, einkaufen gehen, etc.

Das Ausräumen meiner Wohnung und der Ebay-Verkauf meiner Sachen hatte einfach zu viel Zeit gekostet, keine Zeit das Wohnmobil ordentlich zu organisieren und einzuräumen. Jetzt endlich kann ich das angehen. Einige Sachen fliegen raus, andere muss ich nachkaufen, weil ich dachte ich brauche sie nicht – z.B. eine Zitronenpresse. Hab total leckere Apfelsinen von meiner Stellplatznachbarin geschenkt bekommen, ihr Vater hat in der Nähe einen Garten mit Apfelsinenbäumen. Zuviel zum Essen, also ab in den Laden eine Zitronenpresse kaufen, jetzt gibt’s morgens O’Saft zum Frühstück.

22. Dezember 

Camping Bravoplaya in Torre La Sal, Castellon – Valencia Weihnachten  und  Sylvester

Direkt am Meer, 2 Outdoorpools, 1 Hallenbad, Sportplatz, Fitnessraum und Animation, mehrsprachige Rezeptionisten und obendrein noch super Rentnerpreise  –  Bravoplaya hat alles. Und unseren Paco natürlich – der netteste Sicherheitsbeauftragte aller Zeiten – er begrüßt seine Gäste jeden Morgen mit einem gegrinsten „Hola“. Gäste sind hier Rentner, es scheint  sich die gesamte europäische Rentnerschaft, aber vor allem deutsche Rentner,  zum Überwintern zu treffen. Gut, hier bin ich richtig. Ich baue mein Vorzelt auf und schaffe alle Sachen aus der Garage. So hat Krümel mehr Platz im Auto, auch unterm Bett – dorthin kann er sich legen ohne mir dauernd in Weg zu sein. Dachte ich, denn Krümel liegt den ganzen Tag in seiner Höhle unterm Bett, nur wenn ich ins Auto komme muss er wissen was ich mache und steht mir zwischen den Füßen.

Von Weihnachten bekomme ich außer Telefonaten mit den Kindern nicht viel mit, alles ruhig.

Dafür ist Sylvester umso lauter. Mein Stellplatz ist im Epizentrum der spanischen Feiergesellschaft. Hunderte spanische Familien reisen am Vortag von Sylvester an und feiern 3 Tage und Nächte direkt vor meinem Stellplatz. Und ich sag Euch, Spanier feiern nicht gerade leise, dafür dürfen die Kinder bis weit nach Mitternacht herumtoben. Nach 3 Tagen ist der Spuk wieder vorbei, alles reist ab, alles wieder ruhig und ich atme auf. Länger als 3 Tage hätte ich es nicht ausgehalten.

18. bis 21. Dezember 

Camping Los Naranjos

Großer Campingplatz, keine Camper. Abstellplatz für die Wohnwagen von Dauercampern, aber nur eine handvoll Leute auf dem Platz. Restaurant geschlossen, Pool nur im Sommer geöffnet, keine Einkaufsmöglichkeiten vor Ort. Ich stehe inmitten eine leeren Fläche, komme mir verloren vor. Brian, der Dauercamper aus England, überredet mich zu bleiben. Doch nur für eine weitere Nacht, denn am Abend kommt ein österreichisches Paar mit Luxusliner. Sie hatten sich auf ein Essen im Restaurant gefreut und haben weder Essen an Board ihres Luxuskühlschranks noch können sie einkaufen gehen. Ich helfe mit Brot fürs Frühstück aus. Ich erzähle Christine, dass ich überlege für ein paar Tage auf dem Campingplatz zu bleiben um vom ganzen Auszugsstress runterzukommen . Sie rät mir ab: „Such Dir einen besseren Campingplatz, hier kriegste ja Depressionen“.

Jo, sie hat recht, am nächsten Morgen gehe ich ins Internet und schreibe mehrere Campingplätze in der Nähe an, Bravoplaya meldet sich, kann für die Weihnachtstage dort reservieren.

18. Dezember

Endlich in Spanien

Sicherheitshalber mache ich in einer französischen Apotheke einen Antigentest, doch die Fahrt über die Grenze verläuft unspektakulär, niemand kontrolliert mich.

Auf der Autobahn kurz hinter der Grenze mache ich Bekanntschaft mit einer Diebesbande. Ich werde von einem PKW überholt, er fährt gleichauf und hupt, der Beifahrer zeigt auf meinen Hinterreifen und macht komische Handbewegungen. Der will mir wohl sagen, dass ich hinten einen Platten habe. Aber die Masche kenne ich schon und mein Reifendrucksensor sagt mir, dass alles in Ordnung ist. Am nächsten Rastplatz sehe ich das Auto auf mich warten, die hoffen wohl ich würde rausfahren und schauen ob alles in Ordnung ist um mich bei der Gelegenheit dann ausrauben zu können. Ich fahre grinsend an denen vorbei. Doch zum Grinsen ist mir nicht wirklich zumute, dachte nie, mir würde sowas passieren.  Am Abend komme ich in Moncofa bei Valencia auf dem Campingplatz Los Naranjas an nachdem ich durch endlose Apfelsinenplantagen gefahren war.

16. Dezember

Alles erledigt, Mautbox für Frankreich uns Spanien besorgt und in letzter Minute noch die Abgasvignette für Frankreich bekommen. Morgens noch schnell einen Antigentest und dann gehts endlich los.

Die französische Autobahn ist angenehm zu fahren, nicht zuviel  Verkehr. Park4night navigiert mich auf einen schönen Stellplatz in Seurre, wo ich die erste Womo-Nacht verbringe. Am nächsten Tag gehts weiter durch Frankreich, die Mautbox leistet mir gute Dienste, ich kann an den Mautstellen immer durchfahren – offene Schranken.

Der 2. Stellplatz in Frankreich liegt etwas von der Autobahn entfernt, ich muss durch einige Dörfer und enge Straßen fahren. Der Platz selbst ist schön und entgegen meiner Befürchtungen bin ich trotz der Winterzeit und kurz vor Weihnachten nicht allein auf den Plätzen, es sind einige Wohnmobile unterwegs.

Sonntag 12. Dezember
Endlich gehts los!

Die letzten Tage waren stressig, immerhin hab ich meinen gesamten Haushalt aufgelöst. Und dann kamen die Abschiede. Von Tochter und Schwiegersohn und von Freunden. Dann gings erstmal weg von meinem ehemaligen Zuhause Richtung Karlsruhe zu Tochter Nummer 2. Dort ausruhen und letzte Organisationen erledigen.  

6. Dezember

 Start mit Hindernissen

Jumpy musste in die Werkstatt, mein Wasserhahn in der Küchenzeile war nach 3 Mal benutzen während der Probefahrt nach Schweden kaputt. Dachte: Macht nix, hab ja Garantie. Also Händler angerufen, lange keine Antwort bekommen, nach fast 2 Monaten endlich einen Termin für 6. Dezember erhalten. Als ich am 6. Dezember dort ankam, wollte man Jumpy nicht reparieren, genau ab dem Tag hatte die Regierung die 3 G Regel eingeführt und ich hatte weder Impfausweis noch Test dabei. „Kommen Sie ein andermal wieder“, hieße es. Das hab  ich mir nicht bieten lassen und nach dem Geschäftsführer verlangt. Dann ging es plötzlich, ich durfte nur nicht den Aufenthaltsraum benutzen. 4 Stunden Wartezeit draußen in der Kälte, nie wieder Heck Caravan in Langenselbold.